Emotionen in Planungskonflikten erforschen: Herausforderungen im Spannungsfeld von rationalistischer und reflexiver Planungspraxis

Vortrag
Sitzungstermin
Mittwoch (20. September 2023), 16:30–18:00
Sitzungsraum
SH 1.105
Autor*innen
Stefan Baars (TU Dortmund)
Sandra Huning (Bauhaus-Universität Weimar)
Kurz­be­schreib­ung
Emotionen spielen in Planungskonflikten eine substantielle Rolle, können aber aufgrund des rational(istisch)en Selbstverständnisses der Profession nur schwer adressiert werden. Der Beitrag geht der Frage nach, wie Emotionen im Planungskontext thematisiert und erforscht werden können.
Schlag­wörter
Planungspraxis, Konflikt, Reflexion, Partizipative Forschung

Abstract

In der Raumplanung haben es beteiligte Akteure in der Regel mit „bösartigen Problemen“ (Rittel und Webber 1973) zu tun, deren Bearbeitung von konkurrierenden Problemdefinitionen und Deutungsmustern geprägt ist. Dies zeigt sich z.B. in Konflikten der Klimawende: Auf der einen Seite müssen Kommunen aus Gründen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung Flächen einsparen, auf der anderen Seite besteht vielerorts Bedarf zur Siedlungsentwicklung. Solche Konflikte beinhalten häufig eine emotionale Dimension für alle Beteiligten. Emotionen werden in Planungsprozessen jedoch selten explizit zum Thema gemacht. In der Planung, die sich einer technischen Rationalität verschreibt, werden Emotionen oft als störend oder verzerrend interpretiert (Hoch 2006, 367f.).

Nicht nur in der Praxis, sondern auch in der Planungsforschung wird dem Thema Emotionen wenig Raum gegeben. Bisherige empirische Forschung konzentriert sich vor allem auf den Einfluss von emotionalem Denken auf Entscheidungen individueller Planer*innen (z.B. Forester 2014). Dabei werden diese häufig in ihrer alltäglichen Arbeit begleitet, beobachtet und interviewt (Hoch 2006, 375). Bei der Generierung und Interpretation solcher Daten stehen Forschende vor der Herausforderung, gleichzeitig auch ihre eigenen Emotionen und damit verbundenen Werte zu reflektieren. In Interviews neigen befragte Personen dazu, ihre eigenen Emotionen außerhalb ihrer privaten Sphäre als irrelevant zu erachten (Wettergren 2015, 115). Im beruflichen Planungskontext, in dem Emotionen durch kulturelle und institutionelle Rahmenbedingungen aktiv ausgeklammert werden, ist dieser Effekt verstärkt zu erwarten.

Der Beitrag reflektiert Ergebnisse eines Workshops mit Planer*innen im Netzwerk Lokale Konflikte und Emotionen in Urbanen Räumen (LoKoNet). Im Sinne einer partizipativen Forschung eröffnete der Workshop Raum für die gemeinsame Reflexion von Forscher*innen und Planer*innen über die emotionalen Dimensionen konfliktbehafteter Planungsprozesse in der Klimawende. Darüber hinaus ging es für die Forschenden u. a. darum, Methoden zur empirischen Erforschung von Emotionen zu testen und weiterzuentwickeln. Der Beitrag präsentiert sowohl inhaltliche Ergebnisse zu den Perspektiven von Planer*innen auf Emotionen in Konflikten als auch methodische Erkenntnisse zu deren Erforschung in partizipativen Settings.

Literatur

Hoch, Charles. 2006. „Emotions and Planning.“ Planning Theory & Practice 7 (4): 367–82.

Rittel, Horst und Melvin Webber. 1973. „Dilemmas in a general theroy of planning.“ Policy Sciences 4 (2): 155–69.

Wettergren, Åsa. 2015. „How do we know what they feel?“. In Methods of Exploring Emotions, hg. v. Helena Flam und Jochen Kleres, 115–24. Abingdon: Routledge.