[ABGESAGT] Methoden zur Erforschung von Wohn- und Rollenvorstellungen im suburbanen Einfamilienhaus

Vortrag
Sitzungstermin
Mittwoch (20. September 2023), 11:00–12:30
Sitzungsraum
HZ 11
Autor*innen
Johanna Günzel (Bauhaus-Universität Weimar)
Kurz­be­schreib­ung
Im Rahmen des Beitrags möchte ich am Beispiel meiner kürzlich begonnenen Dissertation zu Bewohner*innen von Einfamilienhäusern diskutieren, welcher Methodenmix sich eignet um den Zusammenhang von Wohnbiografie und Lebensvorstellungen, insbesondere hinsichtlich der Rollenverteilung in der Familie, zu ergründen.
Schlag­wörter
Wohnbiografie, Wohnwünsche, Rollenbilder, Einfamilienhaus, Methodenmix

Abstract

Wie wir wohnen beeinflusst in erheblichem Maße, wie wir leben, wie wir unseren Alltag und unsere Beziehungen gestalten können. Begrenzt werden unsere Wohn- und somit Lebensgestaltungsmöglichkeiten von außen durch das (jeweils) verfügbare Wohnungsangebot und gesellschaftliche Vorstellungen vom Wohnen, aber auch von innen durch unsere jeweilige Sozialisation und Vorlieben. In meiner Dissertation beforsche ich insbesondere die Wohnbiografien und -vorstellungen von Menschen nach der Familienphase im suburbanen Einfamilienhaus, gerade aus feministischer Perspektive ergeben sich hier spannende Anknüpfungspunkte. Schon allein die suburbane Lage und die Monofunktionalität klassischer Einfamilienhausgebiete erweitern die Aufgabenbereiche von Care-Taker*innen (Münter 2013; Menzl 2017), hinzu kommen oft Arbeiten die mit einer größeren Wohnfläche und den Verpflichtungen als Eigentümer*innen einhergehen. Wie genau aber formt das Leben im suburbanen Einfamilienhaus die Alltags- und Rollengestaltung der Bewohner*innen? Welche Rollenvorstellungen werden den Kindern somit „vorgewohnt“? Und wie prägt die Wohnform in der Kindheit die späteren Wohn- und Lebensvorstellungen?

Nun handelt es sich um einen – in vielerlei Hinsicht – sehr intimen Forschungsgegenstand. Nicht nur der Schutzraum der privaten Wohnräume wird dabei von einer außenstehenden Person beforscht, sondern auch noch das private Beziehungsgefüge. Gerade bei diesem ist zu erwarten, dass viele Menschen Fragen dazu nicht unbedingt wahrheitsgemäß beantworten, sondern sich von der sozialen Erwünschtheit der Antworten beeinflussen lassen. Hinzu kommt, dass das Wohnen oft unbewusst und unreflektiert „passiert“, von den Wohnenden nicht als Tätigkeit wahrgenommen wird.

Grundlage der Feldforschung ist daher mit Sicherheit eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Forschenden und Beforschten. Daneben ist die besonders sorgfältige Zusammenstellung mehrerer ineinandergreifender Methoden essentiell. Die Kombination qualitativer Methoden die sowohl unterschiedliche Perspektiven beleuchten, als auch die Bewohner*innen zur Reflexion anregen und Unbewusstes herausarbeiten, kann zu einem tieferen Verständnis der den Wohnentscheidungen und -wünschen zugrundeliegenden Motiven verhelfen. Die Methoden meiner Dissertation sollen narrative Interviews mit den einzelnen Bewohner*innen, Fokusgruppeninterviews mit den Bewohner*innen und deren Nachkommen/Erb*innen, Fotografie und teilnehmende Beobachtung, die Analyse von Fotoalben und anderen privaten Dokumentationen rund um Hausbau und Wohnalltag, sowie partizipative Kartierungen der Umgebung und zeichnerische Forschungsformate am Grundriss umfassen. Gerade weil es sich um teilweise sehr experimentelle Methoden handelt, freue ich mich darauf, deren Eignung, Kombination, Ausgestaltung und Anwendung in größerer Runde beim DKG’23 zu diskutieren.