[ABGESAGT] Schießtraining, Uniform und Hausaufgabenbetreuung: Zugehörigkeit und militärischer (Lokal)-Patriotismus in polnischen Schützenverbänden

Vortrag
Sitzungstermin
Donnerstag (21. September 2023), 18:15–19:45
Sitzungsraum
HZ 3
Autor*innen
Bettina Bruns (Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL))
Kurz­be­schreib­ung
Paramilitärische, vorrangig an Jugendliche gerichtete nicht-staatliche Schießverbände in Polen haben seit Ausbruch des russischen Angriffskriegs in der Ukraine starken Zulauf erhalten. Welche Rolle spielen Zugehörigkeit und Patriotismus für die Aktivitäten dieser Einheiten? Welche methodischen Schwierigkeiten treten bei ihrer Erforschung auf?
Schlag­wörter
Patriotismus, Zugehörigkeit, Paramilitär, Feldforschung

Abstract

Die Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 und der aktuelle Angriffskrieg gegen die Ukraine haben in vielen europäischen Gesellschaften Militarisierungstendenzen hervorgerufen. Auch in Polen haben neue Konzepte der “Resilienz” und der “umfassenden Verteidigung” Eingang in den Sicherheitsdiskurs gefunden. Unter anderem hat dies zu einem vergrößerten Interesse vieler Jugendlicher an seit langem bestehenden paramilitärischen Schießvereinen (Związki Strzeleckie) geführt.

Diese nicht-staatlichen Einheiten setzen bei ihren militärischen Aktivitäten und ihrer Außendarstellung in den Medien stark auf ein Zugehörigkeitsgefühl, um neue Mitglieder zu rekrutieren. Das Tragen derselben Uniform, die Bezugnahme auf gemeinsame Symbole der Vergangenheit, die starke Identifikation mit der lokalen Gemeinschaft und der Ausdruck starker patriotischer Gefühle sind beispielhafte Strategien zur Schaffung eines Zugehörigkeitsgefühls unter den Mitgliedern dieser (para)militärischen Formationen. Der Vortrag geht erstens der Frage nach, welche Rolle dieses Zugehörigkeitsgefühl im militärischen Bereich für die daran teilnehmenden Jugendlichen spielt. Zweitens wird der Zusammenhang zwischen militärischen Praktiken und Symbolen und dem Konzept von Patriotismus, der der Arbeit in den Schießverbänden zugrunde liegt, analysiert. Drittens sollen anhand einer Reflexion der bisherigen Feldaufenthalte die Positionalität der forschenden Person für den Forschungsprozess sowie methodische Besonderheiten in einem hoch politisierten und schwer zugänglichen Untersuchungsrahmen diskutiert werden.