Transformation anders denken: Aushandlungen einer nachhaltigen Zukunft in Modellquartieren der Stadtplanung

Vortrag
Sitzungstermin
Mittwoch (20. September 2023), 09:00–10:30
Sitzungsraum
HZ 7
Autor*innen
Jana Weber (FH Münster)
Kurz­be­schreib­ung
Der Beitrag bildet die gesellschaftspolitische Aushandlung über Nachhaltigkeit in Stadtentwicklungsprozessen der Stadt Münster ab. Sowohl machtvolle Positionen und Widersprüchlichkeiten als auch Möglichkeiten der Veränderung innerhalb dieser Prozesse werden skizziert.
Schlag­wörter
Transformation; Stadtplanung; Aushandlungsprozesse; das Politische; nachhaltige Entwicklung

Abstract

Die Komplexität der sich aktuell überlappenden gesellschaftspolitischen Krisen führt einerseits dazu, dass kommunale Bemühungen einer Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit zunehmend erschwert werden. Andererseits wird die Bedeutung der lokalen Ebene in nachhaltigen Transformationsprozessen unterstrichen – zum Beispiel in der Entwicklung klimaneutraler Quartiere. Dabei wird insbesondere Städten eine „transformative Kraft“ zugeschreiben (siehe WBGU 2016) und dadurch die Hoffnung auf eine nachhaltige Zukunft geweckt. Gleichzeitig können wir beobachten, dass lokale Transformationsprozesse oftmals nur langsam und schwerfällig verlaufen. Normative Ziele für eine nachhaltige Stadtentwicklung zeigen sich beispielsweise in der Stadt Münster anhand einer Nachhaltigkeitspolitik und -agenda, die seit vielen Jahren vor allem entlang von Klimaschutz und der Mobilitätswende ausgehandelt werden. Die daraus entstandenen Leitbilder kumulieren in einem integrierten Stadtentwicklungskonzept, welches das Fundament eines aktuellen Stadtplanungsprozesses für fünf Modellquartiere unter dem Motto „urban, grün, vernetzt“ bildet.

Doch anstatt Stadtentwicklungs- und Planungsprozesse gesellschaftspolitisch auszuhandeln, zeigt sich in der Praxis häufig, wie vornehmlich innovativ-technologische Maßnahmen den Status quo stabilisieren. Vor diesem Hintergrund drängt sich die Frage danach auf, inwiefern das Politische Gegenstand der Aushandlung um Vorstellungen über und Handlungsstrategien für die nachhaltige Stadt der Zukunft ist. Oder anders gefragt: Wie werden Stadtentwicklungsprozesse in Richtung Nachhaltigkeit gesellschaftspolitisch konflikthaft verhandelt und welche machtvollen Positionen werden dabei sichtbar? Mein Beitrag zielt darauf ab, die gesellschaftspolitische Aushandlung über Nachhaltigkeit in der Stadt Münster entlang von Planungen über neu entstehende Modellquartiere zu untersuchen. Dafür nutze ich einen ethnografischen Zugang zum heterogenen Feld und greife auf Beobachtungen, Feldnotizen und informelle Gespräche sowie auf eine qualitative Interviewstudien mit Akteur*innen zurück, die eine Position in Stadtentwicklungsprozessen in Münster einnehmen. Während die städtischen Konzepte sowie ein frühes Beteiligungsverfahren, sowohl mit Fachexpert*innen als auch mit Politik und Zivilgesellschaft, zunächst auf einen innovativen, vorbildlichen und nachhaltigkeitsorientierten Planungsprozess hinweisen, möchte ich in diesem Beitrag eine kritische Perspektive darauf einnehmen, die insbesondere machtvolle Positionen und Widersprüchlichkeiten im Prozess offenlegt. Die Auseinandersetzung mit Ansätzen des Politischen skizziert zudem die Veränderbarkeit von Gesellschaft durch transformative Momente in Stadtentwicklungs- und Planungsprozessen.