Resilienz gegenüber dem Klimawandel in historischen Gebieten erhöhen: Das ARCH Resilience Framework und das ARCH Resilience Assessment Dashboard

Poster
Sitzungstermin
Freitag (22. September 2023), 09:00–10:30
Sitzungsraum
SH 0.105
Autor*innen
Katharina Milde (Fraunhofer IAIS)
Valerie Wischott (Fraunhofer IAIS)
Daniel Lückerath (Fraunhofer IAIS)
Kurz­be­schreib­ung
Es wird ein neuartiges Resilienz-Rahmenwerk vorgestellt, dass Klimawandelanpassung und Katastrophenschutz kombiniert. Zusätzlich wird ein Online-Fragebogen-Tool zur Resilienzbewertung von historischen Gebieten vorgestellt, das auf dem Resilienz-Rahmenwerk basiert.
Schlag­wörter
Resilienz, Klimawandelanpassung, Katastrophenschutz, Historische Gebiete

Abstract

Jüngere Entwicklungen in Wissenschaft und Praxis deuten darauf hin, dass die Harmonisierung von Ansätzen zur Klimawandelanpassung und zum Katastrophenschutz immer notwendiger wird. Der fünfte Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen IPCC aus dem Jahr 2014 begründete einen Paradigmenwechsel in der Wissenschaftscommunity rund um Klimawandelanpassung, weg von einem vulnerabilitätsbasierten Bewertungsansatz hin zu einem risikobasierten Ansatz, der eher in Einklang mit den etablierten Ansätzen im Katastrophenschutz steht. Die Notwendigkeit einer stärkeren Harmonisierung zwischen den beiden Communities spiegelt sich auch in der neuen Europäischen Anpassungsstrategie wider, die eine Harmonisierung zwischen Ansätzen zur Klimawandelanpassung und zum Katastrophenschutz auf nationaler, EU- und internationaler Ebene fordert, um Synergien zu nutzen und Klimaresilienz zu erreichen.

Jüngste europäische Forschungsprojekte (RESILOC, SHELTER, ARCH, RescueME) haben sich dem Thema ebenfalls aus verschiedenen Blickwinkeln genähert und harmonisierte Prozesse und Bewertungsmethoden für Klimaresilienz entwickelt.

In diesem Beitrag wird das ARCH Resilience Framework vorgestellt, ein kombiniertes Rahmenwerk für Klimawandelanpassung und Katastrophenschutz für historische Gebiete, das in ein CEN-Workshop-Agreement umgewandelt wurde, d. h. in ein Referenzdokument des Europäischen Komitees für Normung. Es besteht aus zehn zyklischen Schritten, die sich auf die drei Phasen des Katastrophenschutzes “vor der Katastrophe”, “während der Katastrophe” und “nach der Katastrophe” verteilen. Für jeden Schritt schlägt das Framework a) Anforderungen vor, die Entscheidungsträger erfüllen müssen; b) Empfehlungen, die durchgeführt werden könnten; c) Indikatoren, die zur Messung des Fortschritts beim Aufbau von Resilienz genutzt werden können sowie d) unterstützende Guidelines, Instrumente und Standards, die zum Fortschritt innerhalb jedes Schritts beitragen.

Eines dieser Instrumente, das ebenfalls in diesem Beitrag vorgestellt wird, ist das ARCH Resilience Assessment Dashboard RAD. Das RAD ist ein offen zugängliches Online-Tool zum zur Bewertung der Resilienz historischer Gebiete. Typische Nutzende sind Entscheidungstragende aus den Bereichen Denkmalschutz, Katastrophenschutz, Klimawandelanpassung oder nachhaltige Stadtentwicklung. Das Tool ermöglicht die gemeinschaftliche Bewertung und Überwachung des Reifegrads der Resilienz eines historischen Gebiets gemäß des Resilience Frameworks. Nutzende können Resilienzschwachstellen identifizieren und erhalten Unterstützung bei der Formulierung von Aktionsplänen. Das Tool deckt in seiner detaillierten Form mit 221 Fragen zehn Kategorien zur Resilienzbeurteilung ab. Es bietet aber auch die Möglichkeit, die Anzahl der Fragen zu reduzieren, wenn eine weniger detaillierte, schnellere Bewertung gewünscht ist. Zur Validierung seiner Eignung fand das RAD bereits Anwendung in Bratislava, Camerino, Hamburg und Valencia.