Die Rolle der Geographie in der Erdsystemwissenschaft

Panel
Sonderveranstaltung
Sitzungs-ID
SV-130
Termin
Donnerstag (21. September 2023), 16:30–18:00
Raum
HZ 6
Sitzungsleitung
Boris Braun (Universität zu Köln)
Ute Wardenga (Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL))
Schlag­wörter
Physische Geographie, Gesellschaftliche Naturverhältnisse

Jörg Bendix (Philipps-Universität Marburg)

Panelist

Dirk Felzmann (RPTU Kaiserslautern-Landau)

Panelist

Markus Hesse (Universität Luxemburg)

Panelist

Carina Peter (Philipps-Universität Marburg)

Panelist

Abstract

Der 2022 erschienene Leopoldina-Zukunftsreport mit dem Titel „Erdsystemwissenschaft: Forschung für eine Erde im Wandel“ hat in den Geowissenschaften und der Geographie eine breite Diskussion um die Zukunft der geowissenschaftlichen Fächer und deren Rolle in Forschung, Gesellschaft und Politik ausgelöst.

Angesichts gewaltiger Zukunftsaufgaben wie Klimawandel, Artensterben oder zunehmender Vulnerabilität wird sogar eine „Ära der Geowissenschaften“ postuliert. Sechs Maßnahmenbündel werden von den Autor*innen des Leopoldina-Reports vorgeschlagen, um die Rolle der deutschen Geowissenschaften zu stärken: (1) Etablierung der Leitidee der Erdsystemwissenschaft, (2) Aufbau neuer Kapazitäten zur Erdbeobachtung, (3) Weiterentwicklung von Kapazitäten für Big Data, (4) Neustrukturierung der universitären Ausbildung einschließlich integrativer, fachübergreifender Studiengänge, (5) Aufbau von Kompetenzen zur Kommunikation von Lösungsvorschlägen sowie (6) Stärkung der Vernetzung nach innen und nach außen.

Der Report stieß in den Medien auf breite Resonanz und es ist bereits zu erkennen, dass auch die Förderorganisationen auf diese Impulse reagieren und spezielle Töpfe für die Erdsystemwissenschaft bereitstellen. Die Idee der Erdsystemwissenschaft hat die Diskussion um die Zukunft der geowissenschaftlichen Fächer zweifellos befruchtet und eine anregende Dynamik ausgelöst. Aus der Geographie wurde an dem im Report formulierten Konzept aber auch Kritik geäußert, die sich insbesondere an der als zu einseitig empfundenen naturwissenschaftlichen Perspektive auf das Anthropozän und das Erdsystem, an der unklaren Rolle der Humangeographie im Konzert der geowissenschaftlichen Disziplinen sowie an den Vorschlägen zur schulischen Verankerung der Erdsystemwissenschaft entzündete. Trotz der Kritikpunkte und vieler noch offener Fragen wäre die Geographie gut beraten, sich in die Debatte um die Erdsystemwissenschaft aktiv einzubringen und die Deutungshoheit über Zukunftsthemen nicht alleine anderen zu überlassen.

Die Leitidee der Erdsystemwissenschaft berührt unmittelbar die Interessen der Geographie in der Forschung, in der universitären Lehre sowie auch in der Schule. Deshalb sollen in der Panelsitzung das Verhältnis der Geographie zur sich herausbildenden Erdsystemwissenschaft diskutiert und mögliche Strategien skizziert werden.