Decrypting Sub:urbia: Ein Dichte-Lage-Indikator zur Binnendifferenzierung deutscher Großstadtregionen

Vortrag
Sitzungstermin
Donnerstag (21. September 2023), 09:00–10:30
Sitzungsraum
SH 1.108
Autor*innen
Maik Kiesler (Universität Kassel)
Kurz­be­schreib­ung
Urbanität durch soziale Kontakte definierend, wurde ein kleinräumiger Indikator entwickelt, um deutsche Großstadtregionen binnen zu differenzieren. Dieser nutzt regionsspezifisch berechnete Bevölkerungs- und Infrastrukturdichten, um 1x1km-Raster in ein fünfteiliges sub:urbanes Spektrum einzuordnen.
Schlag­wörter
Stadtforschung, Raumanalyse, Raumabgrenzung, Urbanität und Suburbanität

Abstract

In den deutschen Großstadtregionen (Regionen mit mindestens einer Zentralstadt mit mehr als 100.000 Einwohner*innen) leben nicht nur zwei Drittel der deutschen Bevölkerung, sie machen auch den größten Teil des Bevölkerungswachstums aus (vgl. Kiesler et al. 2023). Dennoch verbleibt gerade die quantitative Stadtforschung auf der großräumigen Ebene der Gemeinden. Kleinräumige Ansätze haben sich bislang nicht durchgesetzt (vgl. Milbert 2020).

So lassen sich etablierte Ansätze, die etwa Re- oder Suburbanisierungsprozesse anhand großräumiger Gemeindedaten beschreiben und analysieren, als unzureichend kritisieren. Schon innerhalb von Gemeinden zeigen sich große Unterschiede zwischen den dichten Kernen und weniger dichten Rändern: Eine Binnendifferenzierung ist notwendig. Mithin muss auch jede Großstadtregion als individueller Kontext zur Einordung von solchen Dichten verstanden werden, weshalb feste Grenzwerte zu vermeiden sind.

Für diese Zwecke haben wir einen innovativen kleinräumigen Dichte-Lage-Indikator entwickelt, der die 1x1km-Raster aller 48 deutschen Großstadtregionen klassifiziert. Im ersten Schritt wurde aus öffentlichen Daten ein Dichte-Lage-Multiplikator abgeleitet, der regionsspezifische Grenzwerte für Dichteeinordnungen ermöglicht. Dieser wurde anschließend auf kommerzielle Rasterdaten für die Anzahl der Bevölkerung sowie Infrastrukturen angewandt, um jedes Raster innerhalb eines fünfteiligen sub:urbanen Spektrums einzuordnen: Von den urbanen Kernen der Zentralstädte sowie ihren urbanen Rändern über den klassischen suburbanen Außenraum hin zu verdichteten semiurbanen Gemeinden im Umland samt ihren Kernen und Rändern.

Der Kurzvortrag wird einerseits das theoretische Framing dieses sub:urbanen Spektrums darlegen, das sich auf der Annahme stützt, dass sich Urbanität in der Anzahl und Vielzahl sozialer Kontakte ausdrückt (vgl. Friedrichs 2011). Andererseits werden anhand von Fallbeispielen sowohl das methodische Verfahren als auch dessen Ergebnisse (kartografisch) präsentiert. Abschließend wird ein Schlaglicht darauf geworfen, wie der Ansatz für noch feinere Abgrenzungen weiterentwickelt werden kann.

Literatur:

Friedrichs, Jürgen. 2011. Ist die Besonderheit des Städtischen auch die Besonderheit der Stadtsoziologie? In Die Besonderheit des Städtischen: Entwicklungslinien der Stadt(soziologie), hrsg. v. Heike Herrmann, Carsten Keller, Rainer Neef, Renate Ruhne. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Kiesler, Maik, Timo Baldewein und Carsten Keller. 2023 (i.E.). Decrypting Suburbia. Makroanalysen mittels eines kleinräumigen Dichte-Lage-Indikators zur sub:urbanen Binnendifferenzierung deutscher Großstadtregionen. In Neue Suburbanität? Stadterweiterung in Zeiten der Reurbanisierung, hrsg. v. Uwe Altrock, Henriette Bertram und Arvid Krüger. Bielefeld: Transkript.

Milbert, Antonia. 2020. Stadt-Umland-Definitionen in der Raumbeobachtung. Stadtforschung und Statistik: Zeitschrift des Verbandes Deutscher Städtestatistiker 33(1): 2–11.