„Für meinen Ort ist es mir halt wichtig“: Lokale, nicht-staatliche Praktiken der Herstellung von Sicherheit an der deutsch-polnischen Grenze

Vortrag
Sitzungstermin
Freitag (22. September 2023), 11:00–12:30
Sitzungsraum
SH 2.107
Autor*innen
Judith Miggelbrink (TU Dresden)
Kristine Beurskens (Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL))
Kurz­be­schreib­ung
Die deutsch-polnische Grenze ist seit Jahrzehnten ein Ort des Zusammenwachsens und der Kooperation. Zugleich ist sie ein Ort, an dem nicht-staatliche Formen der Überwachung und Kontrolle etabliert werden. Der Vortrag diskutiert Motivationen, Legitimationen und konkrete Praktiken ziviler Akteure.
Schlag­wörter
Grenze, Sicherheit, Unsicherheit, Bürgerstreife, situational analysis

Abstract

Die deutsch-polnische Grenze ist als Binnengrenze der Europäischen Union in Politik und Öffentlichkeit seit Jahrzehnten ein Ort transnationalen Zusammenwachsens und grenzüberschreitender Kooperation. Zugleich ist sie stets – und nicht zuletzt während der Corona-Pandemie – ein Ort der Aushandlung suprastaatlicher, staatlicher und nicht-staatlicher Souveränität(en). An der deutsch-polnischen Grenze engagieren sich seit einigen Jahren zivile, in lokalen Gruppen organisierte Akteure in der Grenzkontrolle, v.a. in Form von Patrouillen in den kleinen Orten und entlang der Grenze. Medial wird die Grenze immer wieder mit Grenzkriminalität und Unsicherheit in Verbindung gebracht.

Ausgehend von Geographien der (Un)Sicherheit und emotionalen Geographien sowie Forschungsansätzen zu nicht-staatlichen bzw. vigilanten Sicherheitspraktiken an Grenzen haben wir nicht-staatliche Sicherheitspraktiken untersucht. Mit einer Kombination von text- und subjektzentrierten Methoden, die wir teilweise an die pandemische Situation anpassen mussten, haben wir die Motivationen, Legitimationen und nicht zuletzt die Durchführung sicherheitsbezogener Praktiken ziviler Akteure beobachtet und mit Hilfe der Situationsanalyse rekonstruiert. Der Vortrag gibt Einblick in subjektive und kollektive Perspektiven auf die lokalen sicherheitsbezogenen Praktiken, ihre Verhältnisse zu Staatlichkeit und ihre Legitimationen und Hintergründe.