Kindheit in der nachhaltigen Stadt: Erzieherische Anreize und Responsibilisierungsstrategien

Vortrag
Sitzungstermin
Freitag (22. September 2023), 16:30–18:00
Sitzungsraum
HZ 11
Autor*innen
Antonia Appel (PH Freiburg)
Kurz­be­schreib­ung
Kinder werden durch Responsibilisierungsstrategien besonders angesprochen eine nachhaltige Stadt von morgen mitzugestalten, können diese Rolle aufgrund von Machtasymmetrien zwischen ihnen und Erwachsenen aber nicht ausfüllen.
Schlag­wörter
erzieherische Stadt, nachhaltige Stadtentwicklung, Geographische Kindheitsforschung

Abstract

Um zukünftige Krisen in Städten zu begegnen, ist nachhaltige Stadtentwicklung zu einem der dominantesten Städteleitbilder geworden. Hierbei lässt sich insbesondere in den letzten zwei Jahrzehnten eine zunehmend erzieherische Ansprache von Bürger*innen beobachten, welche mithilfe von Responsibilisierungsstrategien die Stadtbevölkerung dazu anhält, ihren eigenen Beitrag zu einer nachhaltigen Stadt zu leisten. Einer Gruppe, der in diesen Strategien eine zentrale Rolle zugeschrieben wird, sind junge Menschen. Als Stadtbewohnende der Zukunft werden sie besonders in die Pflicht genommen, einer bestimmten Vorstellung einer zukunftsfähigen Stadt zuträglich zu sein und vermehrt in (Beteiligungs‑)Prozesse hierzu miteinbezogen. Gleichzeitig verweist die aktuelle Geographische Kindheitsforschung darauf, dass Kinder als beings und nicht nur als becomings wahr- und erst genommen werden müssen: Kinder sind demnach nicht nur zukünftige Erwachsene, sondern haben ein Recht auf die Gegenwart und auf gegenwärtige (räumliche) Bedürfnisse. Hieraus erwächst ein Spannungsfeld, das geprägt ist von Machtasymmetrien: Kinder werden in Verantwortung genommen einer von Erwachsenen konzipierten nachhaltigen Stadt von morgen zu zuarbeiten, wobei kaum Raum für ihre eigenen Zukunftsentwürfe bleibt, die ihre gegenwärtigen Bedürfnisse berücksichtigt. Der Beitrag will demnach aufzeigen, wie Kinder in Prozessen der städtischen Nachhaltigkeit durch erzieherische Anreize (zeitlich) ambigue Rollen zugeschrieben werden und wie sie dadurch oft von einer urbanen Zukunftsgestaltung ausgeschlossen werden.