Kommodifizierung von Umwelt für und durch Tourismus: Enteignung, Widerstand und alternative Szenarien
Abstract der Sitzung
Eine rapide fortschreitenden Kommodifizierung der Mensch-Umwelt Beziehung und die damit einhergehende Touristifizierung, Verdrängung und Enteignung haben in der jüngeren Vergangenheit erheblichen Unmut und Proteste in verschiedenen räumlichen Kontexten hervorgebracht und so zunehmenden politischen Handlungsdruck erzeugt. Die mediale Aufmerksamkeit hat sich aber erst mit Verzögerung in der Geographischen Tourismusforschung und Politischen Ökologie niedergeschlagen.
Die Krisenhaftigkeit unserer Zeit - zunächst die globale Finanzkrise 2008 und jetzt sich überlappende Krisen wie Pandemien, Kriege und Klimawandel - hat eine Fülle an Berichten zu den sozialen und ökonomischen Nutzen und Vorzügen der Natur hervorgebracht. Die diskursive Rahmung der Kommodifizierung von Umwelt und Natur hat aus einer Ursache einen vermeintlichen Lösungsansatz gemacht. Dem steht entgegen dass die disruptive Geschwindigkeit der Dynamiken in z.B. Naturschutz und Tourismus Verdrängung und Enteignung zu Folge haben und Widerstände zeigen, dass dies drängende gesellschaftliche Fragen aufwirft. Die scientific community hat darauf mit nachholenden Diskursen reagiert, wobei sich das Feld inzwischen diversifiziert hat, ohne dass zentrale Forschungsfragen gelöst wären. Die überlappenden aktuellen Krisen könnten einen weiteren Wendepunkte darstellen und eine verschärfte Kommodifizierung der Umwelt und Natur bewirken, gerade auch durch Revitalisierung des ökonomischen Wachstums durch Tourismus. Damit sind sowohl materielle und immaterielle Aspekte der Mensch-Umwelt Beziehung explizit angesprochen.
Die Fachsitzung greift diese theoretische Problemstellung und sozialräumlichen Prozesse und Auswirkungen auf und diskutiert die folgenden Fragen im Schnittfeld von Geographischer Tourismusforschung und Politischer Ökologie:
- Inwiefern helfen bisherige Ansätze zur Verdrängung und Enteignung, die vielschichtigen Facetten der Kommodifizierung von Umwelt für und durch Tourismus kritisch zu erfassen und zu reflektieren?
- Welche Sichtweisen und Instrumente rahmen und gestalten den Prozess der Kommodifizierung?
- Welche Ansätze und Instrumente unterstützen alternative Pfade zur Kommodifizierung der Umwelt und Natur?
- Welche Methoden helfen, Kommodifizierung empirisch zu operationalisieren?
- Welche Rolle spielt Tourismus für die Kommodifizierung der Umwelt und Natur?
- Was können wir von den Protesten gegen die Kommodifizierung von Umwelt für und durch Tourismus in theoretischer Hinsicht lernen, welche neuen Ansichten zur sozialen Gerechtigkeit bringen sie zum Ausdruck und wie finden diese Eingang in neue politische Ideen zur Steuerung des Tourismus?
Wir laden Beiträge ein, die sich aus theoretischer, konzeptioneller oder empirischer Perspektive mit den oben skizzierten Fragen der Kommodifizierung der Umwelt und Natur auseinandersetzen. Beiträge aus verschiedenen Blickwinkeln und insbesondere mit Bezug zur Tourismusforschung sind willkommen. Auf Basis der Fachsitzung ist ein Themenheft geplant