Vernachlässigte Räume: Typen, Herausforderungen & Entwicklungsstrategien (1/3)

Fachsitzung
Sitzungs-ID
FS-216
Sitzungsreihe
Termin
Mittwoch (20. September 2023), 09:00–10:30
Raum
SH 1.108
Sitzungsleitung
Franz Flögel (Westfälische Hochschule)
Anna Butzin (WH Gelsenkirchen)
Sebastian Henn (Universität Jena)
Kurz­be­schreib­ung
Die Sitzung möchte zu einem besseren Verständnis einer neuen Kategorie von vernachlässigten Räumen gelangen, die in jüngeren Arbeiten etwa zur Left-Behindness, Marginalisierung, Peripherie, Places that don’t matter, Strukturschwäche thematisiert werden.
Schlag­wörter
Wirtschaftsgeographie, Ländlicher Raum, Geographien des Verlusts, Regionalentwicklung
Annika Heßmer (Universität Jena)
Sebastian Henn (Universität Jena)
Left-Behind Places: Mehrwert oder unscharfes Konzept? Einblicke aus einer systematischen Literaturanalyse
Matthias Hannemann (Universität Jena)
Sebastian Henn (Universität Jena)
Annika Heßmer (Universität Jena)
Susann Schäfer (Universität Jena)
Emotionen und Affekte im Kontext regionaler Entwicklung: Zu einer Wirtschaftsgeographie des Emotionalen

Abstract der Sitzung

Während in den Wirtschaftswissenschaften und der Wirtschaftsgeographie in den vergangenen drei Jahrzehnten ein klares Augenmerk auf der Entwicklung sog. Erfolgsregionen lag, nehmen jüngere Arbeiten vor allem solche Regionen in den Blick, die den Anschluss an wohlhabendere Regionen zu verlieren drohen oder sogar bereits verloren haben. Die zunehmend ungleiche räumliche Entwicklung wird dabei vielfach mit strukturellen Unterschieden zwischen ländlichen und städtischen Räumen in Verbindung gebracht. Darüber hinaus suchen die in diesem Zusammenhang erschienenen Analysen Entwicklungsunterschiede oftmals auf Basis von Überlegungen zu erklären, die große Schnittmengen mit traditionellen Konzepten (z. B. Strukturschwäche, Polarisierung/Peripherisierung, Marginalisie-rung/Stigmatisierung, Divergenz/Konvergenz) aufweisen. Dies ist insoweit nicht unproblematisch, als sich die Anzeichen dafür mehren, dass die auf diesen Ansätzen beruhenden regionalpolitischen Instrumente immer weniger imstande sind, den tatsächlichen Problemlagen entgegenzuwirken. Diese Sitzung thematisiert die These, dass die sozio-ökonomischen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte zur Herausbildung einer neuen Kategorie von vernachlässigten Räumen beigetragen haben, die grundsätzlich sowohl in städtischen als auch ländlichen Umgebungen anzutreffen sind, typischerweise erhebliche infrastrukturelle Defizite aufweisen und durch eine spezifische emotionale Verfasstheit großer Bevölkerungsteile geprägt sind, die sich oftmals in einem starken Gefühl des Abgehängtseins und damit in Verbindung stehenden populistischen Einstellungen artikuliert. Mit dem Ziel, zu einem besseren Verständnis dieser Räume zu gelangen, laden wir Beiträge zu regionalen Fallstudien und/oder regional-vergleichenden Analysen ein, die eine oder mehrere der folgenden Fragen adressieren:

Stichworte: ländliche Räume, Left-Behindness, Marginalisierung, Peripherie, Places that don’t matter, Polarisierung, spatial inequalities, Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf, Strukturschwäche, ungleiche Lebensverhältnisse, vernachlässigte Räume